Schwabacher und Fraktur

Noch bis tief ins 20. Jahrhundert hinein waren gebrochene Schriften, wie Schwabacher und Fraktur, vorherrschend auf dem deutschen Buchmarkt, während in der restlichen Welt längst die Antiqua ihren Siegeszug vollendet und ihre gebrochenen Verwandten verdrängt hatte. Erst der Kult der Nazis um die deutsche Schrift versetzte den gebrochenen Schriften, wie man diese Schriftarten auch nennt, in deutschen Landen den Todesstoß.

Inwiefern man irgendeine gebrochene Schriftart als Nazischrift qualifizieren beziehungsweise abqualifizieren darf, ist umstritten.
Zwar waren gebrochene Schriften, wie die »Tannenberg«, zu Beginn der Naziherrschaft tatsächlich die Schrift der Wahl für die Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda, doch in den 1940er Jahren brandmarkte das Regime Schriften wie die Schwabacher als »Judenlettern« und sattelte selbst auf Antiqua um.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dies sei geschehen, weil den Naziherren bewusst wurde, dass mit einem weltweit exotischen Gewächs wie der gebrochenen Schrift kein Weltreich mehr zu machen ist.

Wie das Ganze historisch zu bewerten ist, überlassen wir den Fachleuten. Tatsache ist, dass gebrochene Schriften von den meisten Menschen im deutschen Sprachraum untrennbar mit der Schreckensherrschaft der Nazis assoziiert werden.

Zwar gibt es auf internationalem Parkett in den letzten Jahren eine gewisse Renaissance gebrochener Schriften, und Hip-Hop- und R&B-Künstler schmücken Ihre CD-Cover gern mit den eigenwilligen Lettern , doch eine deutsche Rock- oder Punkband, die Frakturlettern auf ihren Alben führt, würde umgehend in der rechten Ecke eingeordnet, was entsprechende Bands allerdings schon einmal als Provokation nutzen, auch wenn man ihnen keine Nazigesinnung nachsagen kann.